Ehrgeiziges Ökologisierungsprojekt

Wie in weiten Teilen der Schweiz und der Nordwestschweiz, unterlag auch die Hochstammobstbau-Landschaft des Oberen Baselbiets in den letzten Jahrzehnten enormen Veränderungen. Die typischen Obstgärten mit Ihren Bewohnern, darunter zahlreiche Vogelarten, sind in ihrem Fortbestand bedroht, somit auch ein Stück Baselbieter Kultur. Um dieser Entwicklung in der Region Gelterkinden entgegenzuwirken, wurde 2004 das Projekt «Obstgarten Farnsberg» durch BirdLife Schweiz lanciert.

Seit nunmehr 20 Jahren hilft das Projekt «Obstgarten Farnsberg» gefährdeten Vogel-, anderen Tierarten wie zum Beispiel der Zauneidechse oder den Wieseln. Auch den typischen Florenelementen wird Beachtung geschenkt.

Um den bewaldeten Farnsberg findet sich vor allem Wies- und Weideland. Eingestreut machen Äcker und sogar einige Reblagen das Gebiet zum abwechslungsreichen Ensemble. 

Vielfältige Ergänzungen haben dank dem Projekt dazugeschaffen werden können. Dazu werden möglichst grossflächig ökologische Aufwertungen umgesetzt. Diese sind:

  • Förderung von Insekten und Spinnen als Nahrung für Vögel durch Anlage von Blumenwiesen, Buntbrachen, Hecken, extensiven Beweidungsflächen oder mit der Schaffung von Kleinstrukturen (Ast- und Steinhaufen oder Trockenmauern etc.).
  • Schaffung von sogenannten Grossstrukturen (grossen Kleinstrukturen mit Saum)
  • Erhaltung, gezielte Ergänzung und Vernetzung des Baumbestandes.
  • Erhöhung des Nistkastenangebots für Höhlenbrüter, z.B. Gartenrotschwanz, Wendehals, Wiedehopf oder Steinkauz.
  • Ergänzung und Neuanlage flächig oder streifenförmig verbundener Strukturelemente.
  • Anpassung der Pflege- und Nutzungsmassnahmen für die anzutreffenden Tier- und Pflanzenarten.

Selbstverständlich bedingt dies eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Bewirtschaftung der Obstgärten.

Naturraum Farnsberg

Der mit Laubmischwald bestückte Farnsberg liegt im nördlichen Teil des Baselbieter Tafeljuras. Der 761 m hohe Jurahügel mit seinem einst mächtigen Schloss «Farnsburg» (heute noch als Ruine zu besichtigen) ist ein naturnah belassenes Gunstgebiet für Fauna und Flora. Den Einwohnern der umliegenden Gemeinden Gelterkinden, Rickenbach, Buus, Hemmiken und Ormalingen wie auch vielen Besuchern bietet er einen grossartigen Erlebnisraum. Vielfältige Biotope (Magerwiesen und -weiden, Heckengebiete, lichte und geschlossene Waldgebiete und vieles mehr!) laden zu Begegnungen ein.

Die ökologische Vielfalt begründet sich auch auf der naturräumlichen Ausstattung (Geologie, Böden), dem geschichtlichen Hintergrund sowie der früheren und heutigen Bewirtschaftung.

Spektakulär ist bei schönem Wetter der Blick auf die Alpen, das benachbarte Fricktal, die nahe Rheinebene und den Schwarzwald von der «Oberen Weide» nahe bei der Ruine des Schlosses. Im angrenzenden Hofgut Farnsberg kann der Wanderer und Besucher einkehren und sich verwöhnen lassen.

Auf einer Rundwanderung, einer Begehung/ Exkursion oder mit einem Besuch bei den bewirtschaftenden Bauernbetrieben können interessante Bekanntschaften mit Land und Leuten gemacht werden.

Spannende Erlebnisse sind garantiert und erfreuen sicher auch die nächsten Jahrzehnte Einheimische wie und Besucher!

Rundwanderung im Gebiet des Obstgarten Farnsberg (verschiedene Einstiegsmöglichkeiten)

Karte als PDF-Datei

Hintergrund des Projekts

 
Seit einigen Jahrzehnten verschwinden die Hochstamm-Obstgärten aus unserem Land – und mit ihnen ein Stück einheimischer Tradition und Kultur sowie viele Tier- und Pflanzenarten.

Damit diese Tradition im Baselbiet erhalten bleibt und bedrohte Arten wie der Gartenrotschwanz, der Neutöter oder die Zauneidechse überleben können, hat BirdLife Schweiz das Projekt "Obstgarten Farnsberg" lanciert. In enger Zusammenarbeit mit Landwirten, den lokalen Natur- und Vogelschutzvereinen Buus, Ormalingen, Hemmiken, Rickenbach, Gelterkinden und Rothenfluh/Anwil sowie dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain werden die Obstgärten und deren Umgebung ökologisch aufgewertet. Die Etablierung wichtiger ökologischer Strukturen auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Erhaltung und Pflege der Hochstammobstgärten sichert wertvolle Lebensräume für bedrohte Vogelarten. Von den Tier- und Pflanzenarten der Hochstamm-Obstgärten stehen viele bereits auf der Roten Liste.
Bemühungen zu ihrem Schutz sind deshalb dringend notwendig!

Eine zentrale Funktion bei der Aufwertung hat die landwirtschaftliche Beratung, seit 2015 vom Büro Agrofutura, durchgeführt. Zusammen mit den Förstern wird die Verzahnung von Wald und Offenland umgesetzt.

Das stetige Miteinander zeigt vielerlei Erfolge!

Weiter wird die Entwicklung von lokalen Produkten gefördert. Jeder kann durch den Kauf der einheimischen Produkte zu kurzen Transportwegen, zur Baselbieter Wirtschaft und zum Schutz der typischen Vogelwelt der traditionellen Obstgärten beitragen. Die direkte Vermarktung hilft, die Hochstämmer nachhaltig zu sichern und damit ganz wesentlich zu einem der Hauptziele des Projektes, nämlich die typischen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, beizutragen.

 

Das Projekt Obstgarten Farnsberg setzt sich basierend auf der beschriebenen Hintergrundsituation ambitiöse Ziele in verschiedenen Bereichen. Diese sind die weitergehende ökologische Aufwertung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die ökologisch wertvolle Verzahnung von Wald und Offenland um den Farnsberg und der Aufbau von ökologisch aufgewerteten Vernetzungskorridoren. Dabei ist die ökologische Aufwertung jeweils auf die Bedürfnisse von bedrohten Hochstamm-Obstgartenvögeln und anderen förderungswürdigen Tier- und Pflanzenarten ausgerichtet und erfolgt durch:
  • die Erhaltung, Vergrösserung und Vernetzung des Hochstamm-Baumbestands und damit den Erhalt der typischen Baselbieter Landschaft und des Kulturerbes.
  • die Anlage von Blumenwiesen, Buntbrachen, Säumen, extensiven Weiden und Kleinstrukturen (Stein- und Asthaufen, Strauchgruppen, offenem Boden) zur Verbesserung des Nahrungsangebots (Wirbellose) für Obstgartenvögel und zur Schaffung von einem Futterangebot und geeignetem Lebensraum für weitere Tiergruppen wie Kleinsäuger (Wieselartige), Reptilien (Zauneidechse) und Wirbellose (Wildbienen, Schmetterlinge, Heuschrecken usw.).
  • die Erhöhung des Bruthöhlenangebots mittels Nisthilfen (insbesondere gezielt für den Gartenrotschwanz) und mittels der Erhöhung des stehenden Alt- und Totholzes am Waldrand und im erweiterten Waldrandbereich.
  • die stufige oder sonnendurchlässige Gestaltung der Waldränder und erweiterten Waldrandbereiche.

Weitere Ziele verfolgt das Projekt auf der Ebene der Information und nachhaltigen Nutzung der Obstgärten. Diese sind:

  • Sensibilisierung und Information der Landwirte und einer breiten Öffentlichkeit (Exkursionen und Führungen) über angewandte Ökologie in der Landwirtschaft, die Bedeutung der Nachhaltigkeit und intakten Landschaft im Allgemeinen sowie über die Bedürfnisse bedrohter Arten im Speziellen.
  • Erhaltung und Pflege sensibler, artenreicher Naturflächen mit besonderem Blick auf botanische und zoologische Besonderheiten.
  • verbesserte Vermarktung der Hochstamm-Produkte und dadurch nachhaltige Sicherung dieser wertvollen Landschaft und der regionalen Tradition.

Foto: Wendehals (R. Ayé)